WIR ÜBER UNS

In unserer Stadt Überlingen, in der die alemannische Fasnacht lebendig und tief verwurzelt ist, hat auch die Frauenfasnet eine lange Tradition. Zeugnis dafür gibt folgender Artikel im „Seebote“ aus dem Jahr 1905:

Es wäre ungalant von uns, (und den Vorwurf möchten wir uns doch nicht gern machen lassen,) wenn wir nicht auch einer nun schon seit 5 Jahren sich an Fastnacht wiederholenden Veranstaltung gedenken würden, nämlich des "Damenkaffees". So versammelten sich auch gestern wieder in Birkenmayers vorderem Wirtsraume 52 hiesige Damen, um in zwangloser humorvoller Weise dem Prinzen Karneval zu huldigen. Humoristische Vorträge und Gesänge brachten bald die ächte Fastnachtsstimmung in die Versammlung, und als ganz besonderen Vorzug dieses Kaffees möchten wir hervorheben, daß er aus allen Kreisen besucht wird, ohne Rang- oder Standesunterschied: im Karneval sind alle gleich. Wir wünschen, daß dieses schöne Einvernehmen wachsen, blühen und gedeihen möge.

SEEBOTE, 05. März 1905

Es blieb lange Jahre bei einer kleinen Gruppe Überlinger Frauen, die zunächst privat in ihren Stuben zusammenkam und in fröhlicher Kaffeerunde Fasnet feierte. Das Interesse an dieser Veranstaltung wuchs von Jahr zu Jahr, sodass bald der private Rahmen gesprengt wurde und die Zusammenkunft in ein Lokal verlegt werden musste.

Der Krieg setzte allem fasnachtlichen Treiben für Jahre ein Ende. Aber danach, in der Zeit der Erholung und Aufwärtsentwicklung des Landes, erwachte auch in den Überlinger Frauen wieder der alenfänzige Urtrieb.

Man erinnerte sich der alten Gepflogenheit und strebte eine Fortsetzung der guten fasnachtlichen Tradition an.

Es ist das Verdienst der katholischen Frauenverbände DKFB und kfg, sich dieses Anliegen zu eigen gemacht zu haben. Sie sorgten dafür, dass sich eine Frauenveranstaltung dieser Art neu etablieren und weiterentwickeln konnte.

Hier ist vor allem Frau Wilhelmine Grünewald dankbar zu gedenken, die sich zusammen mit Frau Sophie Österle über viele Jahre dieser Aufgabe annahm und die Organisation des Kartenverkaufs und der Finanzen erledigte. Den beiden zur Seite stand eine kleine Gruppe weiterer Frauen, die ihre Fähigkeiten und ihr Engagement einbrachte.

Jüngere Frauen stießen dazu. Es bildete sich ein kleine Gruppe aktiver Frauen heraus, die ein Programm aufstellte und die närrische Frauenschar mit Sketchen und Tänzen erfreute.

Einen großen Sprung vorwärts machte unser Närrischer Frauenkaffee, nachdem Elisabeth Krezdorn die Leitung der Veranstaltung und die Verantwortung für das Programm übernommen hatte. 30 Jahre lang hielt sie die Fäden in der Hand und stand mit ihrem unnachahmlichen Mutterwitz und ihrer echten Narrenseele in der Funktion des Conferenciers auf der Bühne.

   

Es erforderte Mut und großes Engagement, sich als Erbin dieser großen Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Anne Mandausch (rechts) ging das Wagnis ein. Mit ihrem eigenen Stil, der von Charme und Perfektion geprägt ist, setzte sie neue Akzente. Eine große Gruppe aktiver Spielerinnen und Tänzerinnen stehen ihr seither mit Engagement und Phantasie zur Seite.

Die große Leistung der Organisation des Kartenverkaufs und die Regelung der Finanzen lag jahrelang in den bewährten Händen von Elisabeth Schmied. Während sie sich weiter der finanziellen Seite annimmt, hat sie die Organisation des Kartenverkaufs in jüngere Hände abgegeben. Diese Aufgabe übernehmen nun Gabi Regenscheit und Doris Ruhe.

Der Närrische Frauenkaffee ist seit Jahren für die Überlinger Frauen ein willkommenes fasnachtliches Ereignis. In der Zwischenzeit ist die Zahl der Veranstaltungen auf vier angewachsen. Sie sind immer ausverkauft.

   

Im Jahr 2000 konnte frau auf grund obigen Zeitungsberichts das hundertjährige Jubiläum des Närrischen Frauenkaffee begehen. Mit Freude und auch einem gewissen Stolz schauen die katholischen Frauenverbände auf die lange und erfreuliche Tradition zurück, die sie über 50 Jahre weitergetragen haben.

Die Aktiven erbringen Jahr für Jahr ihr großes Engagement und sind vom Martini an in ihrem Denken und Sinnen auf die fünfte Jahreszeit eingestellt.

Im Laufe dieser langen Zeit haben sich auf der närrischen Bühne eine Anzahl fester Typen etabliert. So schlüpft Elisabeth Krezdorn Jahr für Jahr in die Rolle des Agethle, das als Putzfrau im Rathaus eine wahre Kennerin der Geschehnisse und Entwicklungen dieser städtischen Behörde ist. Das Insiderwissen der langjährigen Stadträtin kommt Frau Krezdorn in dieser Rolle zugute, die sie mit großer Originalität verkörpert

32 Jahre lang trieben auch das Freundespaar Karle und Fridolin (Ruth Müller, Rita Rockenstein) auf der Bühne des Närrischen Frauenkaffee ihr besonders Unwesen. In immer neuem Szenarium brachten sie mit Komik und Witz, aber auch mit echtem Überlinger Alenfanz ihr Publikum zum Lachen und wurden so im Lauf der Jahre zur festen Größe im jeweiligen Programm. In der männlichen Rolle war es diesen beiden möglich, das Grundmotiv des echten Narren zu verwirklichen, sich über sich selbst lustig zu machen.
Im Närrischen Frauenkaffee 2002 wurden Karle und Fridolin mit großen Ehren verabschiedet und in den Narrenrentnerstand befördert.
   
Eine besondere Note bringt Frau Maria Kibele aus Kogenbach (Anne Mandausch) mit ihrem Ehemann Josef (Edeltraud Moser) auf die Bühne. Diese originelle Person ist bestens beschlagen in Sachen, die etwa Kurgäste, Überlinger Geschäfte, oder Ereignisse aller Art betreffen. Sie äußert ihre kritischen Ansichten und Anmerkungen in unnachahmlicher Art und Weise und sorgt so für beste fasnächtliche Unterhaltung.
   
Im Hohloch, also dem Herzen der Altstadt, sind die Hohlochwieber daheim. Ihre Ansichten über Gott und die Welt, besonders natürlich über Frauenfragen und Überlinger Erlebnisse und Verhältnisse, stellen sich deutlich in ihrem eigen ausgeprägten modischen Stil dar.
Die Hohlochwieber sind nicht wegzudenken aus dem Repertoire der Frauennarrenbühne.
   

Zum festen Bestand des Programms gehören natürlich auch Tänze, Show- und Gesangsteile.
Seit acht Jahren zeichnet Doro Mittelmeier als Choreographin für die Tänze verantwortlich. Mit viel Engagement und großem Ideenreichtum erzielt sie alljährlich entsprechende Erfolge.
   
Texte und Vortrag des gesanglichen Teils werden ebenso erfolgreich von Edeltraud Moser und Antonia Kitt bestritten.
   

Bis jetzt ist es immer gelungen, das Ensemble des Närrischen Frauenkaffee in seiner Vielfalt zu erhalten und zu erneuern. Es kommen immer wieder neue Talente zum Tragen, die für den Bestand der Veranstaltung auch für die Zukunft hoffen lassen. Es haben sich in diesem und dem vergangenen Jahr Autorinnen wieder neu an das Schreiben eines Stückes getraut So etwa Marga Lenski, die neben ihrem großen schauspielerischen Talent im vergangenen Jahr zum ersten Mal erfolgreich zur Feder griff und einen ersten erfreulichen Erfolg verbuchen konnte.

Er wird sie und andere ermutigen, diesen Bemühungen treu zu bleiben und weiter bestrebt zu sein, die Tradition des Närrischen Frauenkaffee fortzuführen.

   

Für den korrekten Zeitablauf und den Kulissenaufbau sorgen hinter der Bühne Andrea Frey und Klara Myrczik.

Wunderschöne Kulissen. ergänzen das Szenarium auf der Bühne. Mit künstlerischer Hand und einfühlsamem Gespür entstehen sie jedes Jahr durch Fridolin Mandausch. Aus seiner „Werkstatt“ stammt auch unser Logo mit dem fasnächtlich behüteten Münsterturm.

Der Stil und die große Linie, die unsere Veranstaltung prägen, sollen erhalten bleiben. Jeder Frauenkaffee steht unter einem aktuellen Motto, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Programm zieht. Die einzelnen Stücke drehen sich um lokale Ereignisse, familiäre Probleme oder sonstige Themen, die Frauen betreffen und interessieren. Es versteht sich von selbst, dass alle Stücke selbstgefertigte Originale sind .

Wenn nun also die fünfte Jahreszeit naht, holen die Überlinger Frauen ihren Fasnethut aus dem Schrank. Denn so unabdingbar für den Besuch der Veranstaltung wie eine der begehrten Eintrittskarten ist das Tragen eines Hutes. Am Tage der Veranstaltung ziehen dann originell behütete Frauen in Gruppen zum Kursaal. Nicht alle haben zwar den Mut, mit ihrem Fasnethut durch die Straße zu gehen und dort die Blicke der Passanten auf sich zu ziehen. Einige tragen daher ihren Hut dezent in der Tüte mit sich und setzen ihn erst auf, wenn sie unter ihresgleichen im geschützten Raum des Kursaalfoyers angekommen sind.
Aber dann! Welch ein wunderschönes Bild bietet sich beim Blick in den vollbesetzten Saal. Da wogt es zauberhaft bunt und phantasievoll mit Blumen, Tüll, Schleifen und Bändern! Da sieht man in fröhliche, lachende Gesichter, da schunkelt und singt eine bestens gelaunte Frauenschar. An diesem Tag nehmen sich die Überlinger Frauen „Luse“, d. h. sie vergessen für ein paar Stunden ihre hausfraulichen und mütterlichen Pflichten und sind nur für ihr eigenes Vergnügen da. Denn auch nach Ende der Veranstaltung geht frau noch lange nicht heim, sondern frau geht aus und lässt in gemütlicher kleiner Runde den Tag ausklingen.

Juchhu, es lebe unser Närrischer Frauenkaffee.